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Strange Days

21. April 2009

Bevor ich ins Rotlichtviertel Kabukicho auf der Ostseite des Bahnhofs in Shinjuku gegangen bin, war ich auf dessen Westseite, wo sich der berühmte Turm des Rathauses von Tokyo befindet. Da ich leider zu spät dort war, konnte ich nicht mehr auf die Aussichtsplattform hoch. In dieser Gegend tummeln sich eine ganze Reihe von Wolkenkratzern, zu deren Füßen viele Obdachlose ihre Zelte aufgeschlagen haben. Man sieht sie mit großen Kartons durch die Stadt ziehen und wenn sie sich niedergelassen haben für die Nacht, sieht es aus, als würden am Straßenrand Särge aus Pappe stehen. Ein spannungsreicher Kontrast hier. Die prachtvollen Prestigebauten, in ihrem Schutz die Obdachlosen und ein paar hundert Meter weiter das bekannteste Vergnügungsviertel Tokyos.

Die Nacht in eben diesem war dann doch etwas unruhig. Erst haben sich in unmittelbarer Nachbarschaft Leute in den Massagestühlen durchrütteln lassen und die Polizei hat lautstark unten auf der Straße versucht, für Ordnung zu sorgen. Ach ja, die Polizei sieht man hier übrigens ständig. Was die Übernachtung im Internetcafe angeht, scheint das hier eine gängige Methode zu sein, um nach einer Party auszunüchtern. Zum Einen fährt in Tokyo des Nachts keine Bahn, auch nicht am Wochenende und zum Anderen kann man unschlagbar günstig unterkommen. Höchstens die Übernachtung in einer Karaokebar dürfte billiger sein. Und Jugendherbergen haben die merkwürdige Regel, ab 22 Uhr eine Ausgangssperre zu haben, was in einer Großstadt mit aufregendem Nachtleben nicht sonderlich von Vorteil ist.

Am nächsten Tag bin ich schon gegen halb acht wieder aufgebrochen. Bei Tageslicht und ohne die vielen bunten Neonreklamen wirkt das Viertel gleich ganz anders. Ein paar Betrunkene stolpern gerade nach Hause, während die ersten sararīman sich bereits auf dem Weg zur Arbeit befinden. Der Dreck der Nacht wird mit viel Wasser weggespült und es herrscht eine ungewohnte Stille. Eine gute Zeit, um einen Spaziergang zu machen. Was ich auch getan habe und zwar bin ich zum Goethe-Institut gelaufen, um meinen ehemaligen Sprachtandempartner zu treffen. Zu Fuß kann man die Stadt übrigens ganz gut erkunden und wenn man keine Lust auf große und laute Hauptverkehrsstraßen hat, braucht man nur abzubiegen und schon landet man in einer ruhigen Gasse, vielleicht sogar mit einem Park oder einem Schrein. Es gibt wirklich viel zu entdecken.

Mit meinem Tandempartner hab ich am Nachmittag ein kleines Kulturprogramm absolviert. Zuerst ging es zum Meiji-Schrein, einem wichtigen Heiligtum, das dem Kaiser der Meiji-Zeit (1868-1912) gewidmet ist. Da der Yoyogi-Park direkt an das Schreingelände anschließt, haben wir unseren Weg durch diesen fortgesetzt. Dort gibt es immer interessante Leute zu sehen, die irgendwelche Kunststücke aufführen, Musik machen oder einfach nur abhängen. Außerdem kann man dort die sogenannten Lolitas antreffen. Wen diese Damen interessieren, der kann ja mal hier klicken. Danach ging es weiter nach Shibuya, dem Viertel für junge Leute in Tokyo. Hier gibt es vor allem reichlich Mode für die Girls und wie mir mein Tandempartner verraten hat, kommen Mädchen aus ganz Japan hierher, um sich Klamotten zu kaufen. Weiterhin wurden mir die berühmten Love Hotels gezeigt (nur von außen) und einige interessante Kinos. Nach dem Abendessen in einer der reichlich vorhandenen kleinen Nudelshops bin ich allein nach Roppongi, einem für sein Nachtleben berühmtes Viertel, hab mich mit Leuten aus Tsukuba getroffen und die Nacht in einem Club zugebracht. Am Morgen ging es zurück nach Hause und ich war froh, endlich im Bett zu sein. Zwei Stunden Schlaf für ein Wochenende sind doch zu wenig, besonders wenn man den ganzen Tag auf den Beinen ist.

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3 Kommentare leave one →
  1. Mäxi permalink
    23. April 2009 21:32

    Hey Sändrow!!!

    Wow, hier ist ja schon richtig viel passiert auf deiner Seite! Ich hatte bis jetzt nur von deiner Ankunft gelesen und wurde heut von der Menge an neu hinzugekommenen Artikeln etwas überrumpelt. Mh, ist schon soviel Zeit vergangen seit deinem ersten Eintrag? Oder hast du einfach nur nichts zu tun und bist deshalb so streßig im Schreiben? Was deine Mitteilungsbereitschaft angeht, kenn ich dich doch ganz anders von NZ. Aber schön dass sich das Blatt gewendet hat 😉

    Und noch viel mehr hast du mich mit deiner Kamera überrascht. Das ich so was noch erleben darf: Sandro mit eigenem Fotoapperat! Gratulation!

    Es scheint dir in dem Trubel Japans ja richtig gut zu gefallen. Ich weiß woran das alles liegt: Sandro hat was zu Essen und seinen geliebten grünen Tee. Damit bist du doch schon zufrieden gestellt 🙂

    Freu mich dass du guter Dinge bist und du deine Zeit genießt. Aber treib dich bitte nicht zu oft in diesen Rotlichtvierteln umher.

    In diesem Sinne: take care und gaaaaaaaaaaaaaaaanz liebe Grüße aus Halle.

    die Maxi

  2. kusayama permalink*
    24. April 2009 10:24

    Naja, du weißt ja selbst, wie oft wir Internet in Neuseeland hatten. Da ich im Moment an der Uni bin, ist es natürlich leicht, sich jeden Tag an den Computer zu setzen und in drei Wochen passiert schon bisschen was, vor allem, wenn alles neu ist. Also langweilig ist mir hier nicht, aber es macht Spaß, auf die Art Kontakt zu Freunden zu halten . Nur her mit weiteren Kommentaren. Ich freu mich über Feedback.

  3. Linda permalink
    25. April 2009 21:55

    -.- ich glaubs ja, du bist in Shibuya, die Loli-Hochburg schlechthin, (übrigens laufen da noch mehr andersartig gekleidete Leute rum ^^) unterwegs und was tust du?!? Auf Wiki verlinken *Kopfnüsse verteil* Mach selber Fotos :p Echt eh!

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